CANADA

YUKON-Trip 5. - 29. August 2008

 

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Tag 1

Die Fahrt zum Frankfurter Flughafen war sehr ruhig. Wir sind um 5 Uhr morgens von Zuhause los gefahren. Die Koffer hatte ich schon rechtzeitig vorher gepackt und bin deswegen auch abends vorher früh ins Bett gegangen. Als wir dann am Flughafen ankamen, mussten wir in dem Gewirr von Strassen, Durchfahrten und Schildern noch einen Parkplatz finden. Nach etwas Sucherei und einigen Fehlversuchen später, hatten wir endlich einen. In dem Flughafengebäude selbst war das zurechtfinden relativ einfach. Terminal 1 finden, das Gate B und schließlich den Schalter 61. Die Koffer sind sofort zum Condor-Schalter gewandert. An dem Schalter kann man wohl die Koffer für alle Flüge abgeben. Da gab es auch direkt die Sitzplatzreservierung und zum Glück war noch ein guter Platz frei. Der Notausgangsplatz auf der rechten Seite, genau dort, wo die Tragfläche anfängt.

 

Am Notausgangsplatz sitzend verpflichtete ich mich, im Falle eines Absturzes die 26 kg schwere Tür zu öffnen und aus dem Flugzeug zu werfen. Na ja, wird hoffentlich  nichts passieren. Links neben mir war noch ein Platz mit mehr Beinfreiheit zu haben. Der wurde  gleich von einem Mann besetzt, der noch etwas größer war als ich. Im späteren Gespräch stellte sich heraus, dass er Berti auch kannte, und ihm mal ein Foto von seinem Kanu geschickt hatte, das er in Deutschland wegen der Wasserschutzpolizei taufen musste und zwar auf den Namen "KENO". Kleine Welt...

 

Etwa zwei Stunden nach dem Start gab es etwas zu essen. Meine Wahl fiel auf Hühnchen mit Nudeln und Tomatensoße. Dazu gab es ein Stückchen Kuchen, mit Quark und Blaubeeren. Dafür, dass das ganze Essen schon ein paar Stunden unterwegs war, war es recht lecker, und ausreichend satt war ich schließlich auch. Beim Fliegen braucht man wohl nicht so viel essen, man tut ja in der Zeit nichts. Ich habe es sogar geschafft, ein paar Minuten zu schlafen; vielleicht war es auch eine Stunde. Genau weiß ich es nicht, und werde es wegen der fehlenden Uhr nicht mehr erfahren.

 

Zwei Stunden vor der Landung gab es noch mal einen kleinen Snack. Brötchen mit Butter und Käse. Zu trinken gab es sehr oft und auch reichlich. Man konnte soviel trinken wie man wollte. Die Aussicht auf die Landschaft während des Fluges war nicht so gut. Fast die ganze Zeit flogen wir durch eine dichte Wolkendecke. Die Flugroute ging über die Nordseeküste von Dänemark, über Bergen in Norwegen, dann mitten über Grönland. Wir kamen von Norden in den Yukon. Etwa 40 km an Dawson City vorbei und endlich landeten wir in Whitehorse im Yukon Territorium.

 

Zwei Drittel der Passagiere stiegen aus, der Rest flog weiter nach Anchorage. Die Schlange vor dem Zollbeamten war recht lang, doch es ging zügig voran. Der Zöllner wollte die für Kanada üblichen Fragen beantwortet haben. Alkohol, Tabak, Waffen, Fleisch oder andere frische Produkte? Alles nicht vorhanden. Als ich beim Zoll vorbei war, kam ich in die Halle mit den Kofferbändern. Auf denen fuhren direkt meine beiden Koffer vorbei. Die hatte ich Zuhause mit meiner Internetadresse gekennzeichnet und mit roten Spanngurten gegen aufplatzen gesichert. Waren somit sehr gut wieder zu erkennen. Also schnell beide runter geschnappt und weiter zur National-Autovermietung.

 

Das Auto hatte ich für 13 Uhr angemietet, es war aber erst halb zwölf. Doch das interessierte keinen, und ich bekam nach Vorlage des Reisepasses, des Führerscheins und dem wichtigsten, der Kreditkarte, sowie ein paar Unterschriften später endlich den Schlüssel. Bei dem Auto handelte es sich um einen Chevy Cobalt LS mit Automatikschaltung. Autos mit manueller Schaltung sind in Amerika äußerst schwierig zu bekommen. Jetzt nichts wie raus aus dem Flughafen.

 

Vor dem Gebäude war eine riesige Baustelle und das Auto stand auf einem Parkplatz etwas weiter hinten; war aber kein Problem. Ich hatte ja Zeit. Das Auto auf dem Platz zu finden war schon schwieriger. Viele sahen gleich aus und vorne gibt es im Yukon ja keine Nummernschilder. Außerdem konnte ich den Text auf dem Schlüsselanhänger nicht mehr so gut lesen. Auf jeden Fall war eine 22 am Ende. Nach ein paar Minuten fand ich das gute Stück. Am Auto die Koffer aufgemacht und Bertis Bücher in den Kofferraum gestapelt. Dann die anderen große Teile wie Zelt, Luftmatratze und Schlafsack raus und das Wichtigste: Der Beutel mit dem Equipment. Schnell das Garmin GPS an die Windschutzscheibe gepappt und ab nach Downtown Whitehorse. Tanken musste ich nicht, weil die erste Füllung im Mietpreis enthalten war.

 

Nach knapp 100 Metern musste ich schon wieder anhalten. Da war die Douglas DC3, die sie als Windrichtungsanzeiger aufgespießt hatten; kein kleines Modell sondern eine echte!

Natürlich mussten davon ein paar Fotos gemacht werden. Jetzt aber wirklich in die Stadt. Zuerst fuhr ich einfach kreuz und quer durch die gerasterte Stadt, ohne ein Ziel zu haben. Gesehen habe ich die üblichen Verdächtigen: Tim Hortons, Subways, Super Value, Pizza Hut usw. Mein erster Ladenbesuch war in einem recht bekannten Buchshop im Yukon: Macs Fireweed.

Dort kaufte ich mir ein paar Postkarten und eine Pepsi, aber eigentlich nur, um einen 100 CAD Traveller Cheque in Bargeld zu verwandeln. An der Kasse musste ich dann noch die Euromünzen aus dem Portemonnaie verstauen. Das Mädel hinter der Kasse war wohl Numismatikerin ;-) und ich musste ihr noch erklären, dass jedes Land in Europa auf der Rückseite der Münzen eine eigene Prägung hat. Die Münzen hab ich in ein kleines Säckchen verpackt, in dem mal eine Brille war. Nun konnte es mit den richtigen Münzen weiter gehen.

 

Hunger verspürt; Blick auf die andere Straßenseite; Subways! Also hinein. Es gab ein sechs Zoll Baguette mit Hähnchen, Käse und Tomaten. War nicht der Knaller aber ganz ok. Ich war zumindest satt. Wieder auf die andere Straßenseite: ein Fotoladen. Mal einen schnellen Blick riskieren. Brauchte eigentlich nichts, aber wer weiß. Habe dann aber auch nichts gekauft. Aber die hatten Pelicases für echt wenig Geld und Fotodrucker, mit denen man von Digitalfotos Abzüge machen kann. Später vielleicht, muss ja erst mal Fotos machen.

 

Danach kam mir der Gedanke mit meiner Unterkunft in den Sinn, die ich ja noch nicht hatte. Nebenan aber erst mal zur Post. Die soll nämlich Prepaid-Karten fürs Handy verkaufen. Meins machte aber leider keinen Mucks. Es stellte sich heraus, dass in Whitehorse wohl doch noch kein GSM-Netz vorhanden ist. Oder es lag vielleicht doch an O2, wer weiß. Also, Handy vergessen. Eignete sich jetzt nur noch ab und zu als Uhr, als Handy erst wieder in Deutschland.

 

Dann kam ich an dem Gebäude von CKRW vorbei. Vielleicht gehe ich später noch mal dort hin, um Bob Johnstone "Hallo" zu sagen. Er ist bei dem Sender Moderator der Morgensendung, und ich konnte ihm schon ein paar mal bei Problemen mit dem Livestream helfen. Daraufhin sollte ich ihn doch mal besuchen; wie gesagt, später.

 

 

 

Nächste Anlaufstelle war das Yukon Visitor Centre. Von dem hatte ich schon viel gehört und sie sollen da sehr kompetent sein. Und das sind sie auch. Haben mir Tipps zu günstigen Unterkünften gegeben und auch, dass ich mir eine Calling Card zulegen sollte. Bin dann direkt zum Hostel "Hide-on-Jeckell" (das mittlerweile leider geschlossen hat) gefahren. Hab vom Aussehen erst gar nicht gedacht, dass man dort eine Unterkunft bekommen könnte. Ein doch recht kleines Gebäude. Zur Tür gegangen und geklingelt, machte aber niemand auf. Erst jetzt entdeckte ich am Türrahmen eine kleine Uhr. So eine, bei der man die Zeiger mit den Fingern einstellen kann, die natürlich auch nicht wirklich funktioniert. Jetzt wusste ich aber, dass der Besitzer erst um 4 Uhr nachmittags wieder da sein würde. Aber es gab ja noch eine Herberge eine Straße weiter, das BeezKneez.

 

Dort war endlich jemand. Eine kleine nette Frau irischer Abstammung; konnte man am Dialekt schon erkennen. Leider teilte sie mir mit, dass in ihrem Hostel kein Platz mehr sei. Sie bemühte sich aber sehr und rief einige Motels an, um sich nach einem Platz für mich zu erkundigen. Leider nicht wirklich erfolgreich. Aber sie wusste, wo ich eine Calling Card zum telefonieren bekommen konnte. Der Laden heißt Riverside Grocery und war gleich um die Ecke. Mit dieser Karte konnte ich dann auch ihr Telefon benutzen. Die Karten gab es von verschiedenen Anbietern ab 5 CAD. Habe mich für die Karte von „Optimum“ entschieden. Ist zwar nicht die mit den günstigstem Tarif, dafür soll es aber bei den Verbindungen nach Deutschland selten Probleme geben. Zurück zum BeezKneez und erst mal nach Hause telefoniert. Mittlerweile war es in Deutschland schon nach Mitternacht, aber egal. Die Kartenprovidernummer gewählt, dann wird man nach der Sprache gefragt, englisch oder französisch; englisch natürlich. Danach muss die auf der Karte frei gerubbelte Pinnummer eingetippt werden. Jetzt kommt die eigentliche Telefonnummer mit führender 011 für internationale Gespräche. Gleich beim ersten Versuch hatte ich schon ein Freizeichen. Nach ein paar Mal Klingeln ging die Mailbox dran. Also noch mal. Dann hatte ich Glück und Vatter ging dran. Kurz das wichtigste berichtet und dass ich gut angekommen sei.

 

Jetzt ging das Übernachtungsproblem weiter. Noch mal zum Visitor Centre. Das Mountain Ridge Motel soll sehr gut und auch die nächst günstigere Möglichkeit zu den Hostels sein. Schnell dort angerufen und er hatte auch noch Cabins frei. Vorher aber noch mal zum Hostel. Der dann die Tür öffnete, war derselbe, der mir im Laden bei den Telefonkarten Tipps gegeben hatte. Er ist auch ein Bekannter von Berti und ich solle schöne Grüße bestellen. Aber auch sein Haus war leider völlig ausgebucht. Werde doch mal das Mountain Ridge aufsuchen. Es liegt etwa 5 km südlich von Whitehorse direkt am Alaska Highway. An der Rezeption sagte der Mann mir, dass die Cabins für 69 CAD ausgebucht seien und nur noch eine größere für 89 CAD zu haben sei. Ich entschied mich dafür. Die einzige Alternative wäre der Campingplatz gewesen, aber auf Zelten hatte ich in der ersten Nacht keine Lust.

 

In der großen Cabin hätten locker drei Leute schlafen können. Es war sogar noch ein Schlafsofa vorhanden. Ich konnte mich also diagonal ins Bett legen. Das hab ich auch gleich getan und knapp eineinhalb Stunden bis kurz nach acht Uhr geschlafen. Danach bin ich erneut nach Whitehorse gefahren. In der Stadt war um diese Uhrzeit schon merklich weniger los. Viele Geschäfte hatten geschlossen, so auch der Supermarkt. Blieb also wieder nur Fastfood oder Nichts übrig. Hab das Fastfood genommen. Diesmal bei Tim Hortons. Es gab Sandwich mit Chicken und eine Hot Chocolate. Die war dann aber kalt in einem Tetrapack…auch gut. Hab mir beim Essen viel Zeit gelassen. War eh nicht mehr viel zu machen. Noch ein bisschen durch die Straßen gefahren und dann zurück ins Motel; das Bett rief. Schlafen ging dann auch wunderbar. Es war ja jetzt schon 7 Uhr morgens in Deutschland gewesen. Bin dann irgendwann aufgewacht, dachte es wäre kurz nach sechs gewesen, war aber wohl erst gegen 4 Uhr. Später fand ich heraus, dass der Stundenzeiger der Uhr kaputt war und immer mehr oder weniger nach unten hing. Ich dachte immer, die Diktatur der Uhrzeiger endet irgendwo hinter Whitehorse. Aber offensichtlich doch schon vorher.

 

 

Tag 2

Da ich jetzt zur passenden „nach-Deutschland-telefonier-Uhrzeit“ wach war, habe ich versucht, mit der Calling Card aufs Handy anzurufen, was aber nicht funktionierte. Am Morgen war es recht kühl, aber die Sonne schien schon ein wenig. Schnell zwei Postkarten geschrieben und dann zum Einkaufen nach Downtown. Die Supermärkte machten alle erst um 9 Uhr auf, so hatte ich noch ein paar Minuten Zeit, mir einen Einkaufszettel auszudenken. Gekauft habe ich Brot, Käse, Butter, Himbeergelee, Milch, Kakaosirup, Cornflakes und wichtige Dinge wie einen zwei Gallonen Kanister Wasser, Mückenspray (mit dem maximal erhältlichen 25% DEET) und noch ein paar Kleinigkeiten. Mit knapp 60 CAD war ich dabei. Zum Frühstück gab’s nur Cornflakes mit Milch. Wollte mich nicht lange damit aufhalten, weil ich ja noch etwa 450 km vor mir hatte.

Aber in den Home-Hardware Laden musste ich noch. Dort gab es eine Gaskartusche für die Lampe, zwei wasserdichte Dosen für Butter und Käse, eine Plane als Zeltunterlage, ein paar Ersatzglühstrümpfe, eine Spule Nylonschnur und das Allheilmittel: eine Rolle Ducttape; sprich Panzerband. Nun aber endlich auf den Highway, auf zu Berti.

 

Ich kam an einigen Waldbrandgebieten vorbei; die Jahreszahl steht sogar immer auf einem Schild dabei. Einer war vor 10 Jahren, sah aber aus, als wäre es erst ein paar Monate her. Nach ca. 80 km war ich bei der Braeburn Lodge. Dort verkaufen sie die Riesenzimtschnecken. Die kosten 8 CAD und sind eigentlich nur mit drei Personen zu schaffen, es sei denn man hat Riesenhunger. Sind sehr lecker aber auch reichlich süß. Nach einer weiteren Stunde Fahrt waren auf der linken Seite die Five Finger Rapids zu sehen.

 

Das sind große Felsen, die den Yukon in fünf Kanäle teilen, so dass starke Stromschnellen entstehen, in denen früher viele Schiffe zerstört wurden. Vom Aussichtspunkt eher unspektakulär, aber wenn man mit einem Boot durchfährt, denkt man wahrscheinlich anders. Für Kanufahrer wird jedenfalls empfohlen, nur den rechten Kanal zu nehmen. An dem Aussichtspunkt habe ich bekannte Gesichter aus dem Flugzeug getroffen. Das Yukon Territory ist wirklich ein Dorf, obwohl so groß wie Deutschland, Österreich und Schweiz zusammen. Der nächste Halt war in Carmacks zum Tanken. Es passte nur für 25 CAD Benzin in den Tank. Der Verbrauch lag also bei 6 Liter auf 100 km. Fand ich sehr angenehm. Der Radioempfang wurde immer schlechter und meine mitgebrachte Adapterkassette konnte ich leider nicht benutzen, da das Auto schon modern ausgestattet war und einen CD-Player hatte. Hatte ja auch erst 28.000 km runter. Also für ein Yukon-Auto noch ganz frisch. So beschloss ich, den MP3-Player zu benutzen. Viel Verkehr war eh nicht und die Polizei hatte ich überhaupt erst einmal gesehen. Dafür wurde das Wetter schlechter. Es wurde immer diesiger und fing dann an zu regnen. An Stewart Crossing angekommen musste ich dann rechts abbiegen, um auf den Silver Trail zu kommen. Der ist etwa 120 km lang und neuerdings sind auch am Beginn etwa 20 km Schotterpiste.

Bei Mayo angekommen bin ich nicht in die Stadt sondern weiter nach Keno City. Die Straße dorthin ist 60 km lang und komplett Schotterpiste. Beim ersten Mal bin ich nur 40 km/h gefahren und später schon mal 90 km/h. Man gewöhnt sich halt an alles.

Ab und zu sah ich den Mount Haldane. Entdeckt hab ich ihn aber nur, weil ich den Punkt auf dem GPS gesehen habe. Sonst wäre er mir bei den vielen Wolken gar nicht aufgefallen, trotzdem er etwa 2.000 m hoch ist. Ein paar  Kurven später kam ich bei Elsa vorbei. Einem alten Mienencamp in dem jetzt aber wieder gearbeitet wird. Und hinter dem nächsten Hügel, dem Galena Hill, war dann endlich Keno City zu sehen. Das Ende des Silver Trails, somit eine über 60 km lange Sackgasse.

 

Es regnete immer und alles war sehr matschig. Asphalt gab es hier nicht und dementsprechend sah mein Auto aus; und alle anderen auch. Ich fuhr ein bisschen durch das Dörfchen, Entschuldigung, Städtchen, und es dauerte nicht lange, bis ich Bertis Hütte entdeckt hatte. Mein Auto parkte ich gleich neben seinen und da machte er auch schon die Tür auf. Nach einer kurzen Begrüßung im Regen erst mal rein in die gute Stube.

Der Ofen verbreitete eine angenehme Wärme in der Trailerhütte. Er sah aus wie eine etwas zu groß geratene Konservendose mit Schornstein und Beinen dran. Funktionierte aber wunderbar. Und das musste er auch. Im Herbst können es hier schon mal -20°C sein. Nun gab es noch etwas zum Aufwärmen. Eine Tasse heiße Schokolade mit Rum. Lecker! Zum Glück hörte es auf zu regnen, wir machten einen kleinen Rundgang durch die Stadt und Berti zeigte mir die wichtigsten Sachen. Wir erzählten abends noch lange, bis mir langsam die Augen zufielen. Schnell die Isomatte und Luftmatratze ausgerollt, Schlafsack drüber, fertig. Geschlafen hab ich sehr gut und dass hat nicht am Rum gelegen, jedenfalls nicht nur!

 

Tag 3

Geweckt wurde ich morgens vom Regen. Wird wohl ein Schlechtwettertag werden. Heute wollten wir mit Marilyn nach Mayo fahren. Sie hatte dort etwas zu erledigen und hatte zurzeit kein Auto. Wir gingen solange ins College. Nicht zum lernen, sondern es gab dort Computer mit Internetzugang, die man kostenlos nutzen konnte. So las ich in aller Ruhe meine Emails und schaute einige andere Dinge nach. Nach etwa einer dreiviertel Stunde kam Marilyn rein und wir konnten weiter. Berti machte eine Stadtrundfahrt, die etwa fünf Minuten dauerte. Rathaus, Bibliothek und Liquor Store sind alle in einem Gebäude. Wir sind dann weiter zum Supermarkt, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Anschließend besuchten wir das einzige Restaurant in Mayo. Einem Chinesen, man bekommt dort aber auch westliche Küche. Meine Wahl fiel auf einen Cheeseburger mit French Fries, den Berti auch nahm. Marilyn bestellte sich Hühnchen mit gebratenen Nudeln, was wirklich sehr lecker aussah. Danach ist an dem Tag nicht mehr sehr viel passiert.

 

Tag 4

Am nächsten Tag sind wir gegen halb Neun aufgestanden. Es gab, wie öfters, zwei Scheiben Toast mit Käse und Marmelade und ein gekochtes Ei. Den Kakao gab es morgens natürlich ohne Rum! Heute war die Besichtigung der Sign Post und des Keno Hill geplant.

 

 

 

 

 

Der Sign Post ist ein Wegweiser bestehend aus vielen Schildern mit Entfernungsangaben zu den Heimatstädten eines damaligen Geologenteams. Am Sign Post parkten wir das Auto. Von dort aus hat man einen atemberaubenden Überblick auf die umgebenden Täler und Berge. In etwa 300 m Entfernung war eine alte Cabin zu sehen. Die musste ich mir natürlich genauer ansehen. Gebaut wurde sie vermutlich vor 50 Jahren und ist bestimmt schon seit 40 Jahren wieder verlassen. Die Hütte stand ein bisschen schief und das Holz war schon sehr vermodert. 

 

 

Der Fußboden hatte viele Löcher und es lag viel altes Zeug herum. Unter anderem waren noch ein rostiges Bettgestell und Teile eines Holzofens vorhanden. Der Standort der Hütte war sehr gut gewählt. Die Aussicht war hier noch besser als am Sign Post.

 

Hinter der Hütte ging es weiter den Hügel hinauf. Es ist der Monument Hill mit einer Höhe von etwa 1.400m. Dem Weg folgend rechts am Hügel vorbei sieht man zwei große Felsblöcke mit einem halben Meter breiten Spalt dazwischen, den Monuments. Ein paar Meter weiter kann man unten im Tal die alte, verlassen Miene Keno 700 sehen. Von dieser Stelle aus gibt es ostwärts keine Straße mehr bis zum Atlantik.

Das sind immerhin knapp 7.000 km reine Wildnis. Quasi das Ende der Zivilisation. Auf dem Rückweg sahen wir acht Ptarmigans, also Schneehühner. Man kann sich bis auf wenige Meter annähern, denn die Hühner vertrauen sehr stark auf ihre Tarnung. Auf dem grauen Fels sind sie wirklich schwer zu erkennen. So lange sie sich bewegen, sind sie ganz gut zu sehen. Wenn sie still sitzen, ist es fast unmöglich, sie zu entdecken. Zum Abschluss der Wanderung fing es richtig an zu regnen, so dass wir jetzt nicht nur vom Schwitzen nass waren. Aber in Keno wartete zum Glück eine heiße Dusche auf uns.

 

 

 

 

 

Vorher fuhren wir noch zur alten Miene Keno700. Dort schien schon wieder die Sonne, so dass wir schnell trocken waren. Die Miene wurde zum Abbau von Galena eingerichtet. Das ist ein fast schwarzes Material, das quadratische Kristalle bildet. Es enthält Blei, Zink und Silber. Je glänzender es ist, desto weniger Silber ist paradoxerweise enthalten. Verlassen wurde die Miene im Jahre 1982. Seit dem verrottet alles vor sich hin. Von den in der Nähe lebenden Menschen wird sie oft geplündert, da noch viele brauchbare Materialen dort vorhanden sind, wie z.B. Aluminiumwellblech, Holzbretter und Balken. Auch Bettgestelle in einem sehr guten Zustand gibt es dort noch. Des Weiteren stehen dort große Motoren, Pumpen, Stromgeneratoren, Öfen usw. herum. Die Eingänge zu den Stollen sind alle verschlossen worden und die Regierung plant, alle Gebäude niederzubrennen, damit durch eventuell einstürzende Dächer niemand verletzt werden kann. Wieder zurück in Keno City erst mal duschen.

 

 

 

 

Danach ging es in Mikes Snackbar, die wieder geöffnet hatte. Zwischenzeitlich hatte er geschlossen, weil es zuviel Arbeit für ihn alleine war, denn er musste einen Trupp Mienenarbeiter mit versorgen. Nun hatte er eine Köchin und die Snackbar war wieder für alle geöffnet. In der Bar selbst gibt es viel zu sehen. Hunderte Schilder, viele davon von Motorrädern, einen alten Filmprojektor, eine D-Mark Münzensammlung und viele andere Sachen aus vielen Ländern der Welt, die von Touristen mitgebracht wurden. Dann kam auch schon die Pizza. Bestellt hatte ich eine 6 Zoll Hawaii und bekam eine halbe 12 Zoll. Die andere Hälfte war anders belegt und gehörte Berti. Warum auch nicht. Die Pizza war sehr locker und knusprig. Die Tür ging plötzlich auf und Flo, der Bazi vom Hanson Lake, und Greg kamen herein. War eine witzige Runde und wir haben viel gelacht.

 

Tag 5

Am nächsten Tag sind wir mit Bertis Chevy den Sourdough Hill hochgefahren. Von da oben hat man eine prima Aussicht über Keno City. Nachmittags haben wir das Kanu auf dem Dach vom Chevy befestigt und sind dann die Hanson Lake Road, vorbei an Gyulas und Flos Haus, zum McQuesten Lake gefahren.

 

 

Ach ja, hätte ich fast vergessen, an dem Morgen lief in Keno eine Elchkuh mit ihren zwei Kälbern herum. Wir sind fast eine halbe Stunde hinterher gegangen und ich konnte reichlich Fotos machen.

 

Aber weiter am McQuesten Lake. Kanu vom Dach, Fotoapparat in einen wasserdichten Beutel verpackt, alles ins Kanu rein und die Sachen anleinen, damit im Falle eines Kenterns nicht alles verteilt durch die Gegend schwimmt. Jetzt noch Schwimmwesten anziehen und dann kann es auch schon losgehen. Wir mussten gegen die Strömung vom McQuesten paddeln, die war auf dem See zwar nicht so stark aber doch spürbar, und vor allem gegen den Wind.

 

Nach etwa einer Stunde paddeln hatte Berti genau vor uns einen Elch im Wasser entdeckt. Dauerte aber noch eine viertel Stunde bis wir da waren. Wir hatten uns auf 200 m genähert. Jetzt paddelten wir nur noch, wenn der Elch seinen Kopf zum fressen unter Wasser hatte. So konnte er unsere Paddelschläge nicht hören. Bei etwa 100 m ergriff er die Flucht und verschwand im Wald.

 

Etwas später sahen wir einen Weißkopfseeadler in einer Tannenspitze sitzen, der sich gerne fotografieren ließ. Weiter ging es durch eine Engstelle in den zweiten McQuesten Lake. Dort war wieder ein Adler und wir paddelten auf ihn zu. Die letzten Meter fuhren wir durch Seegras. Nach kurzer Zeit wurde es dem Vogel zu viel und er flog davon. Jetzt war eine Snackpause angesagt. Müsliriegel und Bananen, genau das Richtige für einen hungrigen Kanufahrer. Auf dem Rückweg sahen wir wieder eine Elchkuh im Wasser. Die Pflanzen müssen wohl lecker sein.

 

Hinter uns braute sich am Himmel etwas zusammen und die Sonne verdunkelte sich langsam. Es fielen einige Tropfen, wir blieben aber fast trocken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute wollten wir Flo besuchen. Er hat ein Haus auf einer Insel im „Hanson Lake 2“. Man kommt dort nur per Boot hin. Mit dem Kanu dauert es etwa 10 Minuten. Es ist und bleibt das einzige Haus an dem See, da keine neuen Baugenehmigungen mehr vergeben werden. Das Haus liegt etwa 5 Meter höher als der Wasserspiegel und hat eine große Veranda, die fast das ganze Gebäude umschließt. Hinterm Haus ist eine Leiter angebracht, die zu einem Aussichtsplateau von etwa 3x3 m auf Dachgiebelhöhe führt. Rechts am Haus vorbei führt ein schmaler Pfad über die Insel. Am Ende gelangt man zu einer kleinen Hütte mit einer Feuerstelle davor.

 

Das Haus selbst ist zwar altertümlich aber gemütlich eingerichtet. Links neben der Eingangstür steht ein alter Holzofen, verkleidet mit weißer Emalie, mit integriertem Backofen und Heißwasserbehälter. Dann gibt es noch ein Schlafzimmer, in dem ein zweiter Ofen steht und drei Schlafkabinen. Da Flo noch nicht von der Arbeit zurück war, hat er uns verraten, wo die Schlüssel versteckt waren. Nach etwa einer Stunde warten und einer Dose Eistee, hörten wir sein Motorboot. Da es gerade in Strömen goss, freuten er und sein Arbeitskollege, den er mitgebracht hatte, sich besonders, dass wir den Ofen angefeuert hatten und es gemütlich warm in der Hütte war. Wir erzählten bei einem Tee und einem Bierchen ein paar Stunden. Es war auf jeden Fall ein sehr lustiger Abend. Auf der Rückfahrt von der Insel zum Auto musste es plötzlich aus allen Eimern schütten und wir wurden wieder klatschnass.

 

Zurück in Keno kochten wir noch etwas zu essen. Gab ein schnelles Gericht; sprich Nudeln mit Tomatensoße. War ja schon halb Elf, da die Rückfahrt knapp eine Stunde gedauert hat, trotz der nur 11 km Luftlinie. Die Nudeln waren schnell gemacht und genau so schnell wieder verputzt. Berti wollte an diesem Abend eigentlich früher ins Bett, da er morgen und die nächsten Tage in Whitehorse der Bürokratie trotzen musste.

 

Tag 6

Er fuhr gegen halb zwölf Mittags los. Zu der Zeit war ich schon unterwegs, zu Fuß den Sourdough Hill hinauf. Bis ganz zum Gipfel hab ich es nicht geschafft, nur bis zum Parkplatz, an dem wir vorher schon mit dem Auto waren. Das waren immerhin etwa 400 Höhenmeter auf einer Strecke von knapp drei Kilometern. Von dort oben konnte man auf Keno City hinabschauen, auf das Camp der Barchens, die dort schon seit 40 Jahren Gold waschen.

 

Im Hintergrund sieht man die Wernecke Mountains. Der Rückweg war wesentlich einfacher, zumindest musste ich nicht so viele Pausen machen. Zurück in Keno gönnte ich mir eine Dusche und wusch die Klamotten durch. Abends bin ich mal in Mikes Snackbar und hab mir ne Pizza bestellt. In der Snackbar darf kein Alkohol ausgeschenkt und auch nicht geraucht werden. Man darf sich sein Bier aber mitbringen. Als ich grad mit der Pizza fertig war, kamen zwei Männer herein. Dem Aussehen nach Vater und Sohn. Als sie sich mit Mike unterhielten, hörte ich heraus, dass es Deutsche waren. Nach einer kurzen Zeit setzte ich mich dazu und wir unterhielten uns über alles mögliche; natürlich auf englisch! Plötzlich stand der Vater auf, ging zum Auto und kramte einen Sixpack Bier hervor. Der Vater erzählte, er sei schon vor ein paar Jahren nach Kanada ausgewandert und der Sohn war auch ein Jahr mit einem Work-and-Travel-Visum in Kanada und auf der Suche nach Arbeit. Wir erzählten eine Weile und es war wieder ein lustiger Abend.

Oldsmobile bei der SnackbarOldsmobile bei der Snackbar Nahaufname

 

 

Tag 7

Den nächsten Morgen ließ ich noch gemütlicher angehen. Frühstückte in aller Ruhe und packte meinen Rucksack. Mitgenommen habe ich wieder reichlich zu trinken, ein paar Müsliriegel und diesmal die wasserdichten Handschuhe und die Goldpfanne. Die passte zum Glück gerade so in den Rucksack, sonst hätte ich sie die ganze Zeit tragen müssen. Gegen Mittag ging ich los. Bis zu dem Goldcamp von den Barchens waren es etwa 3 km zu laufen. Nach der ersten Kurve als ich aus Keno raus war, sah ich einen Pickup, der 45 Grad seitlich die Böschung Richtung Fluss herunter hing. Ein LKW war auch schon da und die hatten den Pickup mit einer Kette gesichert. Wünschte den Leuten viel Erfolg bei der Aktion und bin dann weiter gegangen, weil helfen konnte ich da eh nicht. Weiter zum Claim der Barchens… Bin über das Betriebsgelände gelaufen, um jemanden um Erlaubnis zu Gold Waschen zu fragen. Im Wohnhaus hatte ich schließlich Glück und Hans Barchen öffnete mir die Tür. Er ist der Gründer der Miene und letzte Woche 80 Jahre als geworden. Die Erlaubnis bekam ich und er sagte mir, dass sie extra eine Ladung goldhaltiges Geröll für Besucher und Gelegenheitsgoldwäscher an den Fluss geschüttet hatten und dass ich jederzeit und so oft ich wollte wiederkommen dürfe. Sehr nette Geste von denen. Sogleich versuchte ich mich am Gold waschen.

 

 

Die ersten Versuche klappten nicht so gut, aber dann hatte ich plötzlich den Trick raus. Also als erstes füllt man die Pfanne voll mit dem goldhaltigen Geröll. Dann stellt man das Ganze in den Fluss, so dass die Strömung über die Pfanne hinweg fließt. Nun rüttelt man die Pfanne unter Wasser und sortiert die großen Steine raus. Jetzt die Pfanne mit kreisenden Bewegungen und reichlich Wasser drehen, etwas schräg halten, so dass Wasser und Steine auf einer Seite aus der Pfanne schwappen können. Wenn die Pfanne nur noch zu einem Drittel gefüllt ist, füllt man sie wieder mit Wasser, hält sie schräg und rüttelt sie etwa eine Minute, damit das Gold durch den Sand nach unten sacken kann. Jetzt darf man natürlich nicht mehr umrühren, weil das Gold ja unten bleiben soll. Um das weitere Geröll los zu werden, füllt man die Pfanne mit Wasser und schüttet es so wieder aus, dass jedes Mal Sand und Steinchen mit raus gespült werden. Das macht man so lange, bis nur noch zwei, drei Löffel voll Sand in der Pfanne sind. Jetzt füllt man ein bisschen Wasser hinein, rüttelt es einmal so, dass sich auf einer Seite ein Haufen bildet. Nun hält man die Pfanne schräg zu sich geneigt, dass Wasser zu sich, den Sand oben von sich weg. Nun bewegt man die Pfanne soweit, dass das Wasser das Sandhäufchen berührt und jedes Mal ein bisschen Sand mit weggespült wird. Das macht man so lange, bis nur noch das Gold übrig bleibt. Es glänzt deutlich in der Sonne und bleibt viel besser am Boden der Pfanne liegen als der Sand, da es etwa dreimal schwerer als Gestein ist. Die Prozedur dauert pro Pfanne etwa zehn Minuten. Nun braucht man das Gold nur noch einzusammeln, am besten mit einer Pinzette und dann in einer Filmdose oder ähnlichem lagern.

 

 

Der Goldpreis für eine Unze (etwa 31,1 Gramm) lag zu der Zeit bei 580 Euro. Der Erfolg war zwar so groß, dass in jeder Pfanne ein Stückchen Gold mit drin war, aber gelohnt hat sich das nicht. Nach etwa zehn Pfannen hatte ich keine Lust mehr.

Ich hatte in drei Stunden etwa 0,05 Gramm ausgewaschen!!!

Deswegen arbeiten die Barchens auch mit Baggern, Radladern und Sluiceboxen, um an die Hundert Tonnen Geröll pro Tag durch zu waschen. Ein Trucker von der Miene, der immer an mir vorbei gefahren war, als ich am Gold waschen war, wollte sich meinen Goldfund gerne mal ansehen, und er war erstaunt darüber, wie viel man mit einer Pfanne heraus waschen kann.

Da ich mittlerweile keine Lust mehr hatte, hab ich mich langsam auf den Heimweg zur Hütte gemacht, mir dort eine Portion Nudeln gemacht und den Sonnenuntergang genossen.

 

 

 

Tag 8

Am Tag darauf ist nicht so viel passiert. Als ich gegen Mittag vom Waschraum wieder kam, traf ich Flo auf der Straße. Wir erzählten ein bisschen und er sagte mir, dass er noch telefonieren müsse und gleich noch mal bei der Hütte vorbei schauen wollte. Ich las und schrieb ein bisschen und so gegen zwei Uhr hörte ich seinen Achtzylinder vorfahren. Den hatte er schon seit 10 Jahren und damals für 2.000 CAD bekommen. Wir unterhielten uns ein wenig über Keno, einen Wasserfall in der Nähe, den ich mir angucken könnte und dass er sich in Zukunft ein ATV kaufen will. Es sollte zwischen 400 und 500 ccm haben, also nicht zu groß sein. Er will damit immer zur Arbeit fahren, weil er so schneller ist, als mit dem Auto. Er muss jeden Tag ca. 30 km Schotterpiste fahren und da sein Auto hinten Blattfedern hat, ist das wohl nicht so angenehm.

 

Nach zwei Bieren und einer langen Plauderei machten wir uns auf den Weg. Ich wollte mir die Wasserfälle anschauen. Also ging es entlang der Duncan Creek Road. Auf der rechten Seite wäre ein kleiner Parkplatz und direkt gegenüber der Weg zu den Wasserfällen. Den Weg hatte ich schnell gefunden, doch nach 100 m ging es schon nicht mehr weiter. Ich musste über den Duncan Creek.

An der Stelle war er in zwei geteilt. Über den ersten kam ich noch problemlos drüber, doch der zweite war zu tief und zu breit; etwa 5 m breit und einen halben Meter tief. Meine wasserfesten Sandalen hatte ich nicht dabei und barfuß wollte ich da nicht durch. Also bin ich noch ein wenig umher gewandert. Dabei habe ich eine verlassene Hütte entdeckt. Das Dach war schon eingestürzt und alles schon sehr vermodert. Überall lagen alte Sachen herum. Viele schwere Metallteile wie zum Beispiel Pumpen, Motoren, eine Achse von einem Auto, ein Ofen und noch vieles mehr. Dem Aussehen nach hat das alles schon über 30 Jahre auf der Uhr. Langsam machte ich mich auf den Rückweg, da es schon wieder zu regnen begann.

 

Zurück in der Hütte habe ich etwas gelesen und geschrieben. Eigentlich wollte Flo heute zur Snackbar kommen, dass ich mit seinem Computer meine Emails checken könnte. Aber die Bar hatte leider geschlossen, da Mike zum Fischen war. Man konnte zwar rein gehen; einen Kaffee bekommt man dort immer. Mike hatte einen Hotspot eingerichtet, so dass jeder mit einem Computer kostenlos im Internet surfen kann. Bin dann wieder zurück. Nach einer Weile fuhr ein Auto vor. Berti war aus Whitehorse zurück. Wir erzählten noch fast bis Mitternacht. Den Wagen wollten wir erst am nächsten Tag ausräumen. Er hatte auch sein zweites Kanu aus „Whity“ mit zurück gebracht.

 

 

Tag 9

Den nächsten Morgen haben wir sehr ruhig angehen lassen. Nun ja, wir haben auch bis fast Mittag geschlafen. Dann gab es ein etwas größeres Frühstück. Später haben wir den Wagen ausgeladen. Berti hat schon mal Vorräte für die nächste Zeit mit eingekauft, da er ja noch zwei Monate bleiben will. Das Kanu vom Autodach geholt und dann wieder ausruhen. Nun war es an der Zeit, mal Bertis neueste Errungenschaft in Betrieb zu nehmen. Eine Solarzelle mit 15 Watt Leistung, einen 100 Ah Bleiakku und einen 160 Watt Wechselrichter. Das Anschließen war kein Problem. Jetzt haben wir zwei Energiesparlampen, ein CD-Radio und Strom für den Laptop.

 

Dann kam Paul auf einen Besuch vorbei. Der wollte mir unbedingt für 1.500 CAD meinen Mietwagen abkaufen, der Spaßvogel. Wir haben uns noch ein bisschen unterhalten und schön draußen auf der Veranda in der Sonne gesessen. Später hab ich mal bei Detlef im Hostel angerufen und ein Bett für die beiden letzten Nächte im Yukon bestellt. Bin dann im Museum vorbei und habe mir ein Keno City Basecap und T-Shirt gekauft, für je 10 CAD. Abends haben wir eine Dose Stew gegessen.

 

 

Tag 10

Am heutigen Tag wollen wir uns die Wasserfälle angucken. Als Schuhwerk haben wir gleich im Haus die Sandalen angezogen, da wir recht oft durchs Wasser waten mussten. Das Wasser hatte eine Temperatur von etwa 5°C, jedenfalls wollte ich mich nicht zu lange darin aufhalten. Mitgenommen hatten wir auch jeder einen Wanderstock, der bei der starken Strömung und den glitschigen Steinen im Wasser sehr hilfreich war. Den Wasserfall hatten wir schnell erreicht. Er hatte eine Höhe von vielleicht 5 Metern und es kam einiges an Wasser herunter. In der Nähe gab es ein paar kleinere Wasserfälle, die aber auch sehr schön waren.

 

 

 

Wir sind dann etwa 2,5 km einen Trail entlang gewandert, der uns direkt hinter den Sourdough Hill geführt hätte. Auf dem Rückweg haben wir einen alten, gelben, amerikanischen Schulbus gesehen, der in der Nähe der Wasserfälle abgestellt war. Nach genauerem Hinsehen war er als Wohnmobil bzw. Hütte umgebaut worden. War noch ganz gut in Schuss, das Gefährt. In Bertis Hütte war eine kleine Mittagspause angesagt.

 

 

Danach sind wir zum Wernecke Camp gefahren. Wernecke war einer der Pioniere des Silberabbaus in der Gegend um Keno City. Das Camp wurde 1921 errichtet, ein paar Jahre genutzt, und verfällt seitdem. Das Haupthaus ist noch recht gut erhalten und soll in Zukunft zum Preis von einer Million Dollar restauriert werden. Es ist sogar ein doppelstöckiges Haus. In der Nähe ist eine Sauna errichtet worden. Es gibt noch viele weitere kleinere Gebäude.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eines davon ist z.B. ein Aussichtsplateau mit Überdachung. Dem Wernecke ging es damals wohl recht gut hier. Das Camp war Startpunkt unserer Rundwanderung von etwa 5 km. Der Wanderweg hieß Gambler Gulch Trail. Er führt zu eben dieser Schlucht, an der wieder alte Gebäude und Hütten stehen. Bei fast allen Gebäuden, die bei Keno in der Wildnis zu finden sind, handelt es sich um Unterkünfte für Mienenarbeiter oder eben die Mienen selbst. In einem Mienengebäude waren wir auch, doch der Schacht war zugenagelt und abgeschlossen, so dass wir nicht mal einen Blick hinein werfen konnten. Auf dem Rückweg haben wir bei einem hohen Felsen angehalten, der ein prima Aussichtspunkt ist.

 

Dort hatte man einen phantastischen Überblick auf den Galena Hill, die Hanson Lakes, verschiedene andere Seen und die Wernecke Mountains. Nach einer halben Stunde haben wir uns auf den Rückweg gemacht, da schon wieder Regen aufzog. Das Abendessen bereiteten wir heute draußen auf dem Lagerfeuer zu. Es gab gekochte Kartoffeln mit Röstzwiebeln und Knoblauch, dazu Thunfisch und Joghurtsoße. War echt lecker und nach der Wanderung war der Hunger auch etwas größer. Gegen zehn Uhr abends kam Lucien kurz zu Besuch und erzählte uns die letzten Neuigkeiten.

Wenn morgen das Wetter es zulässt, wollen wir eine Paddeltour vom Mayo Lake zur Minto Bridge machen. Das sind etwa 40 km und sollte in sechs Stunden zu schaffen sein.

 

 

Tag 11

Am nächsten Morgen war der Himmel mit einer gleichmäßigen grauen Wolkendecke überzogen. Seit ein paar Stunden konnte ich auch immer wieder Regentropfen prasseln hören. Die Paddeltour ist für heute quasi ins Wasser gefallen, aber vielleicht wird Sonntag ja besseres Wetter. Heute ist wohl ein lese-schreib-wasch-goldschürf-gammel-Tag angesagt. War dann noch einmal zum Goldwaschen bei den Barchens, hatte allerdings nicht so großen Erfolg wie letztes Mal. Dann fing es schon wieder an zu regnen.

 

Als ich dann mit Bertis Auto zurück fahren wollte, ging das Ding nicht mehr an. Zündung ging erst noch und als ich starten wollte, alles tot. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder  Batterie leer oder eine Sicherung durch. Den Sicherungskasten konnte ich aber erst nicht finden. Nach ein paar Minuten noch mal probiert und siehe da, Kontrolllampen leuchten wieder, aber nur bis zu Betätigung des Anlassers. Also doch Batterie leer.

 

Überbrückungskabel lagen ja zum Glück schon im Auto. Jetzt brauchte ich nur noch eine Batterie bzw. ein anderes Auto. Vorne im Camp war niemand und hinten bei den Baggern wollte ich auch nicht stören. Nach ein paar Minuten kam ein Pickup vom Berg gefahren, und fuhr auch fast bei mir vorbei. Bin dann schnell zum Weg gelaufen, um ihn anzuhalten. Es war Greg, der sofort bereit war, mir zu helfen. Wagen passend nebeneinander gefahren, Kabel angeschlossen, Startversuch, und schon lief die Karre wieder. Jetzt bloß nicht ausmachen und schnell nach Keno zurück. In Keno erzählte Berti , dass die Batterieanschlüsse sicher mal wieder lose seien, waren sie dann auch. So kann das Teil ja nicht richtig laufen. Da muss ich wohl mal bei, wenn es grad nicht regnet. Hoffentlich ist morgen gutes Wetter, damit unser Ausflug mit Flo nicht in Wasser fällt.

 

Tag 12

Am nächsten Morgen sah es ganz gut aus. Zwar viele Wolken aber kein Regen. Wir sind recht früh aufgestanden und haben unsere Sachen wasserdicht verpackt. Ich haben einen Teil meiner Fotosachen mitgenommen und Berti sein Angelzeug. Etwa um viertel vor neun waren wir bei Flos Steg am „Hanson Lake 2“. Berti hat das Signal gegeben, dass wir da sind.

 

 

Ein Schuss aus seiner Winchester 30-30 Lever Action!!! Ganz schön laut das Teil. Aber nach ein paar Minuten warten war immer noch kein Flo zu sehen. Da war wohl noch ein Signal fällig. Diesmal durfte ich ran. Die Patrone wird von der Seite geladen und es passen 7 Stück ins Magazin und eine in den Lauf. Also, Patrone rein, einmal mit der Lever Action durchgeladen und Ziel anvisieren. Das ist mit Kimme und Korn gar nicht so einfach, zumal bei dem Gewehr der Schlitten für die Entfernungseinstellung fehlte. Das Ziel sollte ein trockener Baum sein, der etwa 70 m entfernt war. Schuss!!! Der Rückstoß war nicht so stark wie ich erwartet hatte und den Baum hatte ich wohl auch nicht getroffen. Hauptsache der Knall war laut.

 

Wir mussten insgesamt viermal schießen, bis Flo nach einer dreiviertel Stunde mit seinem Boot auftauchte. Aber noch innerhalb der kanadischen Pünktlichkeit. Flo hatte sich einen gebrauchten Trailer für sein Boot gekauft, den wir heute zum ersten Mal ausprobieren wollten. Er musste noch ein bisschen an sein Boot angepasst werden. Aber das war Dank ein paar neuer Schrauben, die er extra aus Whitehorse mitgebracht hatte, innerhalb einer halben Stunde erledigt. Probelauf; Boot drauf gezogen und es sah schon ganz gut aus. Beim nächsten Mal musste noch eine Kleinigkeit geändert werden. Noch unsere Sachen umgeladen und dann auf zum McQuesten Lake. Das Boot wieder zurück ins Wasser lassen klappte auch prima. Alles ins Boot geladen und der Ausflug konnte beginnen.

 

 

Wir sind erst etwa 7 km auf den See hinaus gefahren, um dort zu angeln. Angelruten hatten wir drei Stück dabei, von denen eine nicht ganz so gut war. Mit zwei Angeln konnten wir dann schließlich auf Pike gehen, also Hecht. Ich hab ein paar Stunden geangelt, aber hatte leider kein Glück. Dann hab ich Flo die Angel in die Hand gedrückt und keine 30 Sekunden später war einer dran. Der hat sich aber leider wieder los gerissen und einer war zu klein. Berti hatte dann einen erwischt. Den er gefangen hatte, war für drei Leute genau passend groß. Da wir keinen Knüppel hatten, mussten wir dem Fischchen mit dem Paddel eins überziehen. Wir fuhren zu einer Landzunge, auf der ein alter Lagerplatz war.

 

 

 

Zuerst mussten wir Holz sammeln und ein Lagerfeuer in Gang bringen. Nach einer viertel Stunde brannte es ganz gut, trotz des recht nassen Holzes. Flo hatte Folienkartoffeln, Mayonaise, Tomaten, Käse und kleine Würstchen mitgebracht; und natürlich Bier. Der Fisch war der Bonus. Die Aussicht von diesem Platz war erste Klasse. Der See im Vordergrund und direkt dahinter fingen die Wernecke Mountains an. Am ganzen See steht übrigens kein Haus und es führt nur ein schmaler Waldweg zu einer Stelle, an der man sein Boot zu Wasser lassen kann. Hier an dem Platz war die absolute Ruhe. Es war nur das Knistern des Feuers zu hören und ab und zu ein Vogel oder ein Fisch, der nach einem Insekt schnappte. Wirklich ein schöner Platz.

 

Die Kartoffeln haben wir zuerst gegessen. Der Fisch hat insgesamt 40 Minuten im Feuer gelegen und war genau passend gar. Frischer ging wirklich nicht. Wir saßen noch bisschen am Feuer, erzählten und verbrannten nebenbei die Reste, damit kein Bär davon angelockt wird. Dann sind wir weiter zum Ende des Sees gefahren. Kurz vorm Ende an der Bergseite stand ein etwa vier Jahre alter Elchbulle im Wasser. Wir fuhren langsam mit dem Boot in seine Richtung und sind bis auf etwa 20 m an ihn heran getrieben. Nach einiger Zeit hatte er wohl genug von uns, ist ein wenig durch das niedriges Wasser am Ufer entlang gelaufen und verzog sich ins Gebüsch. Danach sind wir noch etwa 100 m in den Fluss hinein gefahren, konnten aber nicht weiter, da uns umgestürzte Bäume den Weg versperrten. An der Flussmündung kreuzte eine Bisamratte unseren Weg, und tauchte neben unserem Boot unter. Auf dem gesamten Ausflug hatten wir nur eine viertel Stunde leichten Regen als wir am Lagerplatz waren, sonst blauer Himmel und ein paar kleine Wolken. Die Rückfahrt zum Auto ging mit dem Boot recht schnell, da es etwas über 40 km/h erreichte. Vorm Verladen haben wir den Trailer etwas verändert. Als wir an Flos Parkplatz ankamen, standen dort drei weitere fremde Autos, eines davon mit Trailer.

 

Wir vermuteten schon eine Touristengruppe, die es sich in seinem Haus bequem gemacht hat. So war es auch fast, nur dass es alte Bekannte von Flo waren, die er lange nicht mehr gesehen hatte. Es waren insgesamt sechs Leute und vier Hunde. Eine von ihnen feierte  heute ihren 30. Geburtstag, so dass es eine kleine spontane Geburtstagsfeier wurde. Es gab ein bisschen Kuchen und umso mehr Bier. Das war eine richtige Multikulti-Feier; Kanadier, Neuseeländer, Franzosen, Rumänen, Inuit, Deutsche und Bazis ;-)

Einer von den Gästen brachte uns später mit seinem Boot wieder zurück an den Steg. Genau um Mitternacht waren wir wieder in Keno City.

 

 

Tag 13

Morgen war ausschlafen angesagt und als ich morgens schon wieder Regentropfen hörte, galt dies umso mehr. An dem Tag ist auch nicht mehr viel passiert. Am Nachmittag kam Flo auf einen Kurzbesuch vorbei. Er hatte sein Notebook dabei; so konnte ich in der Snackbar meine Emails nachgucken.

 

Tag 14

 

 

 

Der nächste Tag fing wieder mit Regen an. Also keine Kanutour auf dem Mayo River. Am Nachmittag wurde das Wetter etwas besser und die Sonne ließ sich ab und zu mal blicken. Heute wollten wir den Mount Hinton befahren. Der ist über 2.000 m hoch und zum Nordgipfel führt ein Weg bis fast oben hin. Anfangs war er sehr gut zu fahren, doch nach einer Weile war Allrad mit Untersetzung Pflicht. Diesen Weg war dieses Jahr wohl noch niemand vor uns gefahren, denn wir mussten oft anhalten und die gröbsten Steine aus dem Weg räumen, die im Winter vom Frost und Schnee herunter gefallen waren.

Weiter oben wurde es immer nebliger und es nieselte die ganze Zeit. Wir waren in den Wolken. Oben sind wir ein paar hundert Meter weiter gelaufen, aber bis zum Gipfel sind wir nicht, da die Sicht unter 30 Meter war und man eh nichts gesehen hätte. Der Rückweg war wesentlich schneller, da wir den Weg ja schon frei geräumt hatten. Zum Sourdough Hill mussten wir auch noch einen kleinen Abstecher machen und haben dort ein paar neue Wege getestet.

 

Tag 15

Als ich heute Morgen aufwachte, sah der Himmel irgendwie merkwürdig aus. Da waren nur wenige graue Stellen zu sehen, der Rest war blau. Sah schwer nach Mayo River-Paddeltour-Wetter aus und so war es auch. Gegen 10 Uhr fuhren wir mit zwei Autos los, damit wir nicht per Anhalter fahren mussten, was auch schwierig geworden wäre. Berti ist zum Startpunkt am Mayo Lake gefahren, hat das Kanu und die Klamotten dort abgeladen und ist dann zur Minto Bridge gefahren, an der ich schon wartete. Dann haben wir Bertis Auto dort stehen lassen und sind mit meinem zum Startpunkt gefahren.

 

Das Wetter war heute wirklich super. Viel blauer Himmel und ein paar dicke Wolken, damit es hübscher aussieht. Die Strecke die wir paddeln wollten, war ungefähr 40 km lang. Es war nur eine Portage nötig; eine Brücke, die so tief war, dass wir nicht darunter her gepasst hätten. Etwas später umkreiste uns ein Fischadler, der uns mit seinem Geschrei vertreiben wollte. Wenige Meter weiter sahen wir den Grund. Die Adlerfamilie hatte ihren Horst direkt am Fluss, bzw. auf einem schrägen Baum über dem Fluss gebaut. Wir sind ca. 100 m vorher ans Ufer gepaddelt, so dass wir in Ruhe beobachten konnten. Es dauerte recht lange, bis der Adler sich traute, auf dem Nest zu landen. So sind aber ein Paar schöne Fotos entstanden. Auf der weiteren Fahrt haben wir keine Tiere mehr gesehen.

 

Als wir an der Brücke ankamen, haben zusätzlich noch eine kleine Runde auf dem Wareham Lake gedreht und die Sonne genossen, die uns die letzten Tage doch gefehlt hat. Später haben wir uns den Mayo Lake angeschaut und sind dabei an einem verlassenen Haus vorbei gefahren, vor dem etwas die Erde weggespült war. Das Loch war etwa 10 m lang, 3 m breit und 5 m tief. Das sah schon beeindruckend aus, leider habe ich es versäumt, davon ein Foto zu machen.

 

 

Bis auf einen Beinahezusammenstoß mit einem Pickup, der in einer Kurve auf meiner Seite fuhr, um einem Schlagloch auszuweichen, ist an dem Tag nichts besonderes mehr passiert. Abends waren wir in Keno bei Mike eine Pizza essen. Die hatten wir uns verdient. Außerdem hatten wir keine Lust mehr, etwas zu kochen. Heute hab ich das erste Mal meine Kameraakkus an Bertis Solaranlage nachgeladen. Welch praktische Erfindung.

 

 

Tag 16

An meinem letzten Tag in Keno City hab ich etwas länger geschlafen, sprich bis kurz vor 10 Uhr. Noch gemütlich gefrühstückt, alle Sachen wieder eingepackt usw. Auf dem Weg nach Mayo haben wir kurz nach Elsa angehalten und Berti hat mir einen alten Stollen gezeigt; einen der ersten in der Gegend, wohl von um 1920. Wir sind nur etwa 10 m weit drin gewesen, da ab dort alles unter Wasser stand. In Mayo hab ich wieder in der Schule meine Mails gecheckt und an der Tanke für 30 CAD bei einem Preis von 1,699 CAD getankt; Wucher! Nun aber auf nach Dawson City.

 

Auf dem ca. 250 km langen Weg musste ich noch einige Fotostops einlegen. Für die Strecke hab ich knapp fünf Stunden gebraucht und kam so gegen fünf in Dawson City an. Als erstes gleich in Visitor Centre und nach einen günstigen Bed & Breakfast gefragt. Mit privater Dusche und Frühstück fing erst bei über 100 CAD die Nacht an. Ohne eigene Dusche und Frühstück zum selber machen lag bei 49 CAD, was ich genommen hab. Ist zwar ein kleiner Raum, dafür bin ich aber auch alleine. Und er hat viele Fenster (Insider)! In Mayo sollte nämlich ein kleiner Raum 125 CAD kosten, ohne Fenster.

 

Das B&B liegt an der siebten Straße recht weit oberhalb und ist in hübschem pink getarnt. Im Sourdough Joe hab ich mir einen Burger genehmigt. Einen Crispy Chicken. Crispy war er zwar nicht, aber trotzdem ganz lecker; hatte ja an dem Tag auch noch nicht viel gegessen. Als Abendvergnügung hab ich mir das Diamond Tooth Gerties ausgesucht. Die Show, die dort aufgeführt wurde war klasse und nachher hatte ich mich noch kurz mit der Hauptdarstellerin, der Gertie, die wirklich Tracy heißt, unterhalten.

 

Ein Foto von und mit einer Tänzerin, Claire,

musste natürlich auch noch sein ;-)

 

 

 

Nach der Show bin ich zum Midnight Dome hoch gefahren und habe den Sonnenuntergang über Dawson City und dem Yukon bestaunt. Oben habe ich einen Deutschen getroffen, der jetzt schon seit 12 Jahren den Yukon bereist. Eine Menge Bilder sind dort auch entstanden. Danach bin ich noch mal ins Gerties und hab mir die zweite Show angeguckt. Um Mitternacht ist noch eine, aber die ist erst morgen dran. Die 6 CAD-Eintrittskarte gilt nämlich für zwei Tage. Jetzt ist halb eins nachts, schlafen!

 

 

 

 

 

 

 

Tag 17

Am nächsten Tag war wieder ein wunderschöner blauer Himmel. Bin nach dem Frühstück ein wenig durch die Straßen geschlendert.

 

Gegen Mittag habe ich den Schaufelraddampfer, die SS Keno, besichtigt. Es ist einer der kleineren und insgesamt gab es etwa 250 davon auf dem Yukon. Im Visitor Centre gab es ein paar Kurzfilme zu sehen. An der Main Street entdeckte ich eine kleine Eisdiele, die ich natürlich sofort testen musste. Als ich mit meinem Eis auf einer Parkbank saß, kam gleich ein großer Rabe angeflogen und wollte etwas davon abhaben.

Die Raben waren dort eine Nummer größer als in Deutschland. Er setzte sich neben mich auf die Parkbank und sah mich mit großen Augen an. Ein paar Krümel hat er bekommen und ließ sich gerne fotografieren. Abends wollte ich mal die Kneipe im Westminster Hotel - das Pit - besuchen. Da spielte eine Band. Die konnten sogar beide Musikrichtungen: Country und Western. Kurz vor Mitternacht bin ich rüber ins Gerties, um mir die Mitternachtsshow anzusehen, hatte ja noch das Ticket vom Vortag. Die Show war zwar moderner aber ich fand die beiden ersten besser. Und da war es auch schon wieder ein Uhr nachts.

 

Tag 18

 

An meinem letzten Tag in Dawson hab ich mir die Gold Dredge No. 4 angesehen. Die wurde um 1912 gebaut und war bis 1966 in Betrieb. Mit ihr wurde jeden Tag ca. 22 kg Gold aus dem Boden gewaschen. Am späten Nachmittag war ich auf dem Midnight Dome und genau diese Zeilen zu schreiben. Zur selben Zeit war eine Touristengruppe dort oben, und einer neben mir meinte, die sähen wie ein Schwarm Kanarienvögel aus… Als die endlich weg waren wurde es wieder ruhig auf dem Gipfel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Außerdem war ich noch bei einem Goldschmied und hab mich dort ein bisschen umgesehen. Sehr interessant. Sie zeigte mir, wie man aus einem Goldnugget eine Halskette herstellt, und wir haben uns nett unterhalten. In Keno war sie auch schon mal und kannte sogar Bertis "Ex"-Pink Cabin.

 

 

 

Bin dann wieder runter in die Stadt, die Strassen unsicher machen…und auch auf der Suche nach dem Pizzaladen von dem Berti gesprochen hatte. Einkaufen war ich auch noch: getrocknetes Elchfleisch, welches ich doch testen wollte, ein Toastbrot, Rasierer und Schaum. Den elektrischen hatte ich eine Woche nicht mehr benutzt und wäre jetzt wohl erfolglos geblieben. Wegen der Pizzabude musste ich erst im Grand Palace Theatre nachfragen. Da war dieselbe Dame, die gestern die SS Keno Sternwheeler Führung gemacht hatte. Die Mitarbeiter von den touristischen Einrichtungen tragen alle die Kleidung wie vor etwa 110 Jahren. Jedenfalls erfuhr ich, dass der Laden an einer kleinen Gasse liegt, die sich zwischen der zweiten und dritten Straße befindet. Da hätte ich alleine nie gefunden, zumal das eine kleine Wellblechhütte ohne Fenster ist, an der nur zwei winzige verwitterte Schilder hingen. Schien aber ein Insider zu sein, denn er hatte gut zu tun und ich konnte mir meine Pizza nach 45 min abholen. Die 10 Zoll Pizza mit Tomaten und Schinken kostete 15,50 CAD! Was soll’s… Nach dem großen Mahl wollte ich mir Dawson City von der anderen Seite des Flusses aus angucken.

 

Also mit dem Auto zur Fähre. Die ist kostenlos und fährt bis auf Mittwoch morgens zwei Stunden die ganze Zeit durch. Auch nachts, natürlich nur nach Bedarf. Wenn man zu Fuß unterwegs ist, braucht man eine Taschenlampe um die Fähre im Dunkeln „anzulocken“. Der gesamte Verkehr des Top of the World Highway muss über diese kleine Fähre mit acht Autoplätzen.

 

 

Auf dem Top of the World Highway bin ich ein kurzes Stückchen Richtung Alaska gefahren, aber da der bald zur Schotterpiste wird, bin ich nur bis zu einem Punkt mit schöner Aussicht auf Dawson City gefahren. Das lag nämlich gerade wunderschön in der untergehenden Sonne.

 

Auf dem Rückweg zur Fähre sah ich ein Schild von Mackenzie Petroleum an der Strasse. Der Sprit kostete dort nur knapp einen Cent weniger als bei der Shell Tankstelle im Ort. Also tankte ich bei Shell für 74 CAD zu 1,699 den Liter. Zurück zum B&B ein langes Bad; und Bart ab! Schicht für heute.

 

 

Tag 19

Nach dem Frühstück um acht Uhr ging die große Fahrt los; Ziel Haines Junction. Zum Abschied bin ich noch einmal die Main Street entlang gefahren und dann: Hit the Road! Irgendwann kam ich auf die Idee, die entgegen kommenden Autos zu zählen. Um 12 Uhr war ich schon in Carmacks und ich hatte auf der Strecke von 350 KM immerhin 60 Fahrzeuge gezählt. Die meisten allerdings kurz vor Carmacks.

 

Die weite Fahrt war nicht spektakulär aber auch nicht langweilig. Habe nur ein paar kurze Pausen gemacht und vor Whitehorse bei Takhini nachgetankt. Für die 525 Km hat die Kiste 34 Liter gebraucht; also etwas über sechs Liter auf Hundert. Ein ganz guter Wert. Auf den 150 Km Richtung Haines Junction hat sich die Landschaft total verändert. Viel mehr Berge und alles irgendwie trockener, schon mehr wie Steppe. Und man kann endlos weit gucken.

 

In HJ angekommen bin ich gleich wieder ins Visitor Centre, um mich nach einer Unterkunft zu erkundigen. Auf dem Weg in die 800 Einwohner-Stadt hatte ich schon ein paar Blockhütten bei FasGas entdeckt und eine von denen ist es auch geworden; für 55 CAD die Nacht. Hatte zwar kein fließend Wasser, aber Satellitenfernsehen; anders herum wäre mir allerdings lieber gewesen. Als mit der Unterkunft alles erledigt war, bin ich ein Stück nach Norden gefahren und sitze jetzt grad am Aussichtspunkt der vierten Wanderung vom Kluane Hiking Programm; dem Spruce Beetle Trail.

 

Sehr ruhig und sonnig mit einem leichten Windhauch, so dass kaum Ungeziefer in der Luft ist. Hatte auch gerade schon Besuch von einem kleinen Streifenhörnchen, doch leider war ich zu langsam um es zu fotografieren. Nach der kleinen Wanderung bin ich weiter nach Norden gefahren, bis mir auffiel, wie spät es schon war. Ich wollte doch die kleine geführte Wanderung am Dezadeash River mitmachen. Jetzt musste ich mich beeilen und das Geschwindigkeitslimit von 90 Km/h geringfügig überschreiten. So kam ich genau um 19.30Uhr am Campground an, bei dem die Tour starten sollte und es waren schon einige Leute da.

 

Der Tourguide war Heather, die ich schon aus dem Visitor Centre kannte. Das Thema war borealer Wald, also Wälder im hohen Norden. War alles sehr interessant und auch eine lustige Truppe. Leider waren die Black Flies und Moskitos so schlimm an dem Abend, dass ich zum ersten Mal zur Waffe greifen musste: Diethyltoluamid oder einfach DEET. Hilft super, greift aber manche Kunststoffe an, also mit der Jacke aufpassen. Bei der Gruppe war auch die Frau, die ich in der Snackbar in Keno schon gesehen hatte. Die mit dem Zimmer ohne Fenster für 125 CAD. Ich weiß jetzt aber, dass sie die Nacht im Auto verbracht hat.

 

Eine Frau hatte ihren Husky dabei, der nachher als Modell herhalten musste, um den Unterschied von Wölfen und Kojoten zu zeigen. Dann waren auch noch drei Deutsche dabei. Ein Pärchen aus Wiesbaden und ein Mann aus Frankfurt, der aber schon seit 12 Jahren im Yukon lebt, mittlerweile drei Campingplätze bewirtschaftet und 22 Schlittenhunde hat. Und mit all denen war ich nachher in einer Kneipe und habe ein Bierchen getrunken. War ein lustiger Abend, es gab eine Menge zu erzählen und lachen. Um Mitternacht waren wir alle ausreichend müde. Mittlerweile hatte es so stark angefangen zu regnen, dass Valerie, die mit dem Hund, mich zu meinem Auto gefahren hat, das ich am Campground hatte stehen lassen, um mit den anderen zu Fuß zu gehen.

 

Tag 20

Am nächsten Morgen bin ich um sechs Uhr aufgewacht und es war am regnen. Dann noch mal um acht Uhr: Regen, um 9.30 Uhr immer noch Regen, aber es wurde langsam weniger und der Himmel etwas heller. Das lässt hoffen. Die öffentlichen Duschen an der Tankstelle waren super und kosteten für vier Minuten duschen einen Loonie, also einen Dollar. In der Tanke hab ich mir einen heißen Kakao geholt und dann war frühstücken angesagt. Danach bin ich einfach ins Auto gestiegen und los gefahren, in Richtung besseres Wetter.

 

Beim Kathleen Lake habe ich angehalten und bin ein Stück am See entlang gewandert. Wunderschöne Gegend. Weiter auf dem Highway Nr. 3 Richtung Haines, Alaska. Den Stone Glacier Trail wollte ich mir anschauen. War ein recht kurzer Trail, der aber sehr schön war, und es hat sicher einige Mühe gekostet, den anzulegen. Mit vielen Holzstegen, kleinen Brücken und steinernen Mauern als Begrenzung.

 

Von oben hatte man eine schöne Aussicht auf den Dezadeash Lake. Da der Trail nur etwa 2 km lang war, dauerte der Spaß nicht so lange und es fing auch schon wieder an zu regnen. Gefahren bin ich bis nach Klukshu, einem alten Indianerdorf. Aber dort war nicht viel los. Das Wetter wurde immer schlechter und nach 60 km bin ich umgekehrt. Da ich heute Morgen nur zwei Scheiben Toast gegessen hatte, wollte ich was Warmes essen. Die Kneipe von gestern, das Kluane Park Inn hatte auch ein Restaurant, dass von Chinesen betrieben wurde. Es gab gebackenes Hühnchen mit Zitronensoße. Was ich nicht wusste, dass man sich die Beilage extra bestellen musste. So gab es keine. Es war aber so viel, dass ich ohne Beilage satt wurde und es war sehr lecker. Wer braucht schon Beilagen, Hauptsache Fleisch auf dem Teller!

 

Um 20 Uhr war ein kleiner Vortrag über Bären im Kluane am Kathleen Lake; mit Lagerfeuer. Da wollte ich dabei sein. Und wenn man eine Tasse mitbrachte, bekam man 

einen Tee oder Kakao! Es war 19 Uhr, also hatte ich noch etwas Zeit. Also bin ich zum Flugplatz von Haines Junction gefahren. Das Büro von Sifton Air hatte sogar noch geöffnet. Für einen Rundflug braucht man drei Leute, damit man sich die Kosten teilen kann. Mike, der Pilot, sagte mir, er hätte für morgen drei Pärchen und ich könnte mir sogar eine Route aussuchen, da alle eine andere fliegen wollten. Perfekt. Hab mich für die längere entschieden. Die führte über zwei Gletscher mit Chance auf Sichtung des Mt. Logan. Der Spaß sollte 75 min dauern und etwa 240 CAD kosten. Morgen um 10 Uhr sollte ich ihn anrufen oder beim Flughafen vorbei schauen. Wollte direkt hinfahren, da es keine 5 min bis dort waren und ich kein Telefon hatte. Jetzt aber auf zum Lagerfeuer.

 

Als ich am Kathleen Lake aus dem Auto stieg, wäre ich fast hinten rüber gefallen und die Autotür schlug sofort wieder zu. Extremer Wind, eher schon Sturm. Den See erkannte ich kaum wieder. Es waren sehr viele Wellen darauf und die Farbe war jetzt türkis. Dem entsprechend war das Lagerfeuer nicht draußen, sondern brannte in einem alten Yukonofen in einer Schutzhütte. Aven, die den Vortrag hielt, hatte schon ganz gut eingeheizt, so dass ich meine beiden Jacken schnell ausziehen musste. Zum Vortrag erschienen etwas 15 Leute und jeder hatte brav seine Tasse dabei. Sie erzählte über die Verbreitung der Bären, deren Verhalten, wie man sich selbst bei einer Begegnung zu verhalten hatte, über die Nahrung und vieles mehr. Nach dem Vortrag hab ich mich mit ein paar Leuten unterhalten und nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass es Deutsche waren und einer von ihnen aus Paderborn kam. Winzige Welt!!! Jetzt hoffte ich, dass es morgen besseres Wetter gab, damit der Flug starten konnte.

 

 

Tag 21

Und es war am nächsten Tag wieder am regnen und zu windig und bewölkt zum Fliegen. War um kurz vor 10 Uhr am Flugplatz und Mike kam mir schon mit der schlechten Nachricht entgegen: schlechtes Wetter, kein Flug! Ich solle es aber morgen noch mal versuchen. Bei dem schlechten Wetter kann man draußen nicht so viel unternehmen, also bin ich auf zum Visitor Centre. Dort begrüßte mich Aven, die gestern den Vortrag gehalten hatte und empfahl mir, den Film über den Kluane Park anzuschauen. Eine gute Idee. Doch der Beamer wollte nicht und es dauerte ein wenig bis der Film lief; aber ich hatte ja eh viel Zeit. Der Film war sehr interessant und gut gemacht, aber leider nach 20 min schon wieder zu Ende. Habe mich noch ein bisschen im Visitor Centre umgesehen und dachte mir dann, ich könnte vielleicht die Sheep Mountain Tour versuchen; zumindest einen Teil davon.

 

Obwohl es dort wahrscheinlich auch regnete, bin ich einfach mal los gefahren, Richtung Kluane Lake. In Haines Junction war nur leichter Regen und je weiter nördlich ich fuhr, desto schlimmer wurde es. Am Slims River, der in den Kluane Lake fließt, war eine riesige Baustelle. Neue Straße, neue Brücke über den Fluss usw. Am Anfang der Baustelle stand das „Stop-/Go-Girl“. Die sagte mir, dass ich etwa zehn Minuten warten müsse. Kein Problem, denn unter Zeitmangel litt ich nun wirklich nicht. Dann kam der Gegenverkehr, voraus das Pilotcar. Dem hatte man zu folgen, damit man sich nicht verirrt oder zu schnell fährt. Verirrt vielleicht, zu schnell sicher nicht. Eher hatte ich Probleme hinterher zu kommen. Ich wollte den Mietwagen ja nicht in einem der Schlaglöcher versenken.

 

Dann ging es zwischen den großen Gerätschaften her, riesige Muldenkippern, Raupen, Baggern und Baggern mit Bohrköpfen, die Löcher für die Sprengungen machten, um die Straße zu verbreitern und noch vieles mehr. Aber es hörte einfach nicht auf zu regnen. Etwa 15 Km vor Destruction Bay hatte ich keine Lust mehr weiter zu fahren und machte Mittagspause: Dreifache Portion Cornflakes und einen knappen Liter Milch! Auf dem Rückweg zu Haines Junction hörte es bald auf zu regnen, na ja, fast jedenfalls. Irgendetwas machte ich wohl falsch…

Wieder zurück in HJ hab ich die Bäckerei gesucht und mir ein paar Blätterteig Kuchenteilchen geholt, lecker! Danach bin ich ein paar Waldwege entlang gefahren, in der Nähe vom Pine Lake. Dort habe ich ein geniales Holzhaus gesehen. Es war recht groß und oben drauf hatte es so etwas wie einen Leuchtturm; ein rundes Zimmer mit Panoramablick. So muss das sein…

 

Nach der Erkundungstour habe ich die kleine Kirche in HJ besucht. Sie besteht aus einer Wellblechröhre und ist von 1954. Laut einem Schild die meistfotografierte Kirche im Yukon. Ich hab jetzt auch Bilder davon! Als ich gerade in der Kirche war, kam das Pärchen aus Wiesbaden herein, das ich vorgestern beim Dezadeash Walk kennen gelernt hatte. Nach der Besichtigung waren wir im Frosty Freeze etwas essen. Ist zwar ein Fastfood Laden, aber das Essen war sehr gut. Und wieder ein Tag weniger….

 

Tag 22

Nebel und Regen am nächsten Morgen, nur nicht ganz so viel. Heute wollte ich richtig frühstücken gehen. Pfannkuchen mit Ahornsirup und ein heißer Kakao. Und während ich am Tisch saß, kamen die Wiesbadener herein, die wohl die gleiche Idee hatten. So frühstückten wir zusammen. Kurz vor Zehn bin ich aufgebrochen, um beim Flugplatz vorbei zu fahren. Und tatsächlich, heute würde Mike fliegen wollen. Etwas weiter innerhalb der Elias Mountains soll das Wetter besser sein. Doch leider würde er erst am späten Nachmittag fliegen. So lange wollte ich aber nicht mehr bleiben. Schade. Also hab ich mich auf den Weg nach Whitehorse gemacht.

 

In Whity angekommen, hab ich gleich einen Abstecher zum Canadian Tire gemacht, um zu sehen, was es dort alles Schönes gibt. Es ist irgendwie eine Mischung aus Baumarkt, Camping-, Freizeit- und Autoladen. Wollte eigentlich nur gucken, aber ein paar Kleinigkeiten hab ich dann doch gekauft. Nun brauchte ich etwas zu essen; Klondike Rib & Salmon wollte ich testen, denn ich hatte schon viel darüber gehört. War sehr lecker und auch das Gebäude war schön urig eingerichtet. Danach bin ich einmal mehr zum Visitor Centre gefahren und hab endlich den Film „As the Crow flies“ gesehen. Der Film ging eine viertel Stunde und Mike aus der Keno City Snackbar war sogar einmal kurz zu sehen. War ein sehr schöner Film und ich habe viele Stellen davon wieder erkannt. Jetzt wollte ich mich um meine Unterkunft für die nächsten zwei Nächte kümmern. Ich hatte ja für zwei Nächte beim Hostel reserviert. Es war alles kein Problem und in fünf Minuten erledigt.

 

 

Da es ja immer noch am regnen war, musste jetzt das Transportation Museum dran glauben. Dort gab es viel über Eisenbahnen zu sehen und über die Pioniere der Luftfahrt im Yukon. Das Flugzeug mit dem Charles Lindberg über den Atlantik geflogen ist, war ursprünglich für den Yukon gedacht, doch Lindberg hat einfach mehr geboten und es gekauft. Das zweite Flugzeug dieser Baureihe kam dann wirklich in das Yukon Territory,  die „Queen of the Yukon“. Weiterhin gab es Militärfahrzeuge aus dem zweiten Weltkrieg und viele Sternmotoren zu sehen.

 

 

Gegen 19 Uhr hab ich mich im Hide on Jeckell Hostel einquartiert und ein bisschen in den Büchern gelesen, die ich mir in Macs Fireweed Bookstore gekauft hatte. Wie zu erwarten war, waren im Hostel viele Deutsche und Schweizer. Wir haben uns bis kurz vor zehn nett unterhalten. Es gab halt immer etwas zu erzählen.

 

 

 

 

Tag 23

Am nächsten Tag war doch tatsächlich etwas Sonne zu sehen und ich bin direkt zu CKRW, dem Radiosender meines Vertrauens gefahren. Ich hab mich dort mit "Michael from Germany" angemeldet und nach Bob gefragt. Der war sofort da und wusste erst nicht was los war, bis ich ihm von unseren Emails erzählte. Dann fiel es ihm sofort wieder ein und er hat mir spontan eine kleine Führung durch den Sender gegeben und mir alle Leute dort vorgestellt. Viele kannte ich ja schon vom hören. Wirklich alle sehr nett. Und ein paar Werbegeschenke gab es auch noch.

 

Da das Wetter besser wurde, wollte ich mir den Staudamm und die Fischleiter anschauen. Seitdem der Yukon aufgestaut wurde, gibt es die Namensgeber der Stadt Whitehorse nicht mehr. Die großen Stromschnellen, deren Wellen wie weiße Pferdemähnen aussahen, sind in dem Stausee untergegangen. Seitdem gibt es auch die Fischleiter, die es den Lachsen ermöglicht, den Damm zu umschwimmen und den Höhenunterschied vom See zum Fluss zu überwinden. Der beträgt immerhin 20 m. Ein paar Lachse waren zu sehen. An einer Stelle an der Fischleiter waren Glasscheiben, durch die man die Fische beobachten konnte.

 

Bin danach ein wenig herum gefahren und habe einen schönen Aussichtspunkt über Riverdale, einem Vorort von Whitehorse, gefunden. Um meinen Gaumen verwöhnen zu lassen, war heute Pizza Hut an der Reihe. Bestellt hatte ich eine kleine Pizza mit Speck, Hühnchen und Tomaten. Und bekommen hab ich eine große, weil der Koch sich vertan hatte; zum kleinen Preis, guter Deal. Gegenüber saßen zwei Amis, mit denen ich mich weit über eine Stunde über alles mögliche unterhielt: Autos, Politik, Bier und noch viele weitere wichtige Dinge. Waren aber wirklich cool drauf die beiden. Der eine hatte sogar einen deutschen Namen, Teibermeier hieß er, glaube ich.

 

Im Hostel hab ich eine Frau aus den USA mit deutschen Namen kennen gelernt, Heidi Leib. Sie war ca. drei Monate draußen im Kluane Park und den St. Elias Mountains unterwegs gewesen. Einmal hatte sie vier Tage keine Lebensmittel mehr, weil der Versorgungs-Hubschrauber nicht fliegen konnte. Emails konnte ich heute auch oft checken.

 

Ach ja, am Miles Canyon war ich auch noch. Sehr schönes, türkisfarbenes Wasser und ein sehr schmaler und tiefer Canyon. Früher war er sicher noch schneller und gefährlicher, als der See noch nicht aufgestaut wurde. Abends im Hostel hatte ich eine nette Unterhaltung mit Heidi und einem Pärchen aus Tasmanien. Im Yukon trifft sich die Welt.

 

 

 

 

Tag 24

Am nächsten Morgen wollte ich um zehn Uhr beim Flughafen sein, aber dann fiel mir ein, dass ich das Auto schon um neun Uhr wieder abgeben musste. Um genau neun bin ich beim Hostel losgefahren und wenige Minuten später war ich am Flughafen. Als ich der Frau am National Schalter den Autoschlüssel in die Hand drücken wollte, fragte sie mich, ob ich mit dem Condor-Flug abreisen wollte, der käme nämlich erst morgen früh.

Na super...

Ich hätte das Auto noch einen Tag behalten können, entschied mich aber dagegen, da ich von der Fluggesellschaft eine Übernachtung und zwei Taxifahrten bekam. Draußen kam ich mit einem Ehepaar ins Gespräch, das natürlich das gleiche Problem hatte.

 

Wir waren im selben Hotel untergebracht und so fuhr ich mit den beiden, Monika und Werner, mit dem Taxi nicht nach Paris, sondern nur zum Hotel. Es war das Westmark Klondike Inn und vermutlich ein drei Sterne Hotel. Dort waren noch etwa 50 weitere Condor-Kunden untergebracht. Am Mittag gab es Essen und ich entschied mich für Fish&Chips. Nach dem Essen war ich im Home Hardware.

Der Laden war genau gegenüber, aber nach zehn Minuten gab es dort nichts mehr zu entdecken. Also wieder raus. Kurz darauf traf ich die beiden wieder und wir schlenderten Richtung Stadtmitte.

 

 

Wir kamen am MacBride Museum vorbei, dem wir einen Besuch abstatteten. Da es die ganze Zeit leicht am regnen war, kam uns ein Museumsbesuch gerade recht. Dort wurde die Geschichte des Goldrausches, alle Tiere die im Yukon vertreten waren und noch einiges mehr gezeigt. War sehr interessant. Als wir aus dem Museum kamen, schien doch tatsächlich die Sonne. So konnten wir etwas am Yukon entlang laufen und einen kleinen Markt haben wir auch noch besuchen können. Mittlerweile war es 18 Uhr und somit Dinnertime. Das Dinner fand in einem anderen Raum statt, der mehr wie eine Kneipe eingerichtet war. Dort haben wir dann drei Stunden verbracht, da wir den Condorgutschein komplett verbrauchen wollten, der pro Person 25 CAD betrug. Es ging an dem Abend früh ins Bett, da wir um vier Uhr Nachts schon wieder aufstehen mussten. Wir bestellten an der Rezeption einen Weckanruf für vier Uhr früh.

 

Tag 25

Der Anruf war pünktlich und es goss schon wieder aus Eimern. Mich startklar zu machen ging recht schnell, da ich außer den Sachen, die ich anhatte und meiner Fotoausrüstung nichts weiter dabei hatte. Alles andere war schon in den Koffern, die ich am Vortag eingecheckt hatte. Um 4.40 Uhr waren wir am Flughafen und welche der ersten. Um kurz nach fünf wusste dann auch das Personal was es zu tun hatte und wir bekamen unsere Bordkarten und die Information, dass der Flieger sich wahrscheinlich noch mal verspätet, wohl aber nicht viel. Um kurz nach acht war es soweit. Ein Flugzeug der Condor landete und der Jubel war groß.

 

Dann hielt der Airport-Terminal-Grandmaster-Chief eine kleine Rede, in der er sich über die vielen USA-Formulare und Mr. Bush reichlich lustig machte und dementsprechend gab es richtig Applaus. Hätte ich das gewusst, hätte ich meinen MP3-Player für die Rede auf Aufnahme geschaltet. Nach etwa einer Stunde war das Flugzeug fertig und wir konnten hinein. Es wurde jeder persönlich vom Airport-Terminal-Grandmaster-Chief verabschiedet; witziger Mann.

 

Bis Fairbanks waren es etwa 90 Minuten Flugzeit. Die waren schnell um und das Wetter wurde immer besser. In Fairbanks war blauer Himmel ca. 20° C. Nun waren Fingerabdruckscan und Gesichtsfoto von jedem angesagt. Die beiden mühsam ausgefüllten Formulare für Mr. Bush konnten wir wegwerfen. Besser so. Nach knapp zwei Stunden saßen wir im Flieger Richtung Frankfurt. Endlich.

 

 

Der Flug war angenehm und dauerte nur acht Stunden. Diesmal ging die Route knapp am Nordpol vorbei, so dass wir über Norwegen und Dänemark genau Richtung Süden flogen. In Frankfurt gab es wieder Papierkrieg und langes Warten wegen den neuen Anschlusstickets.

 

Der Weiterflug war erst um 12.45 Uhr. Also noch fast fünf Stunden totzuschlagen. Flughafenbummel lag nun an und ich konnte meinen neuen 15 Euro Gutschein für Essen verprassen. Für das Geld bekam ich mehr Snacks und Getränke als ich schaffen konnte. Um 12.45 Uhr ging der 25 Minuten Lufthansa Flug pünktlich nach Paderborn.

 

 

 

Nachtrag: Von Condor bekam ich 166 Euro als Entschädigung zurück. Später gab es noch ein Paket mit zwei Flaschen Wein und einen 25 Euro Gutschein für den Bordeinkauf.

 

Ein paar Wochen später, ich hatte Bob Johnstone eine Email geschickt, dass ich wieder gut Zuhause angekommen war, hörte ich mit einmal meinen Namen im Radio.

Da staunte ich doch nicht schlecht. Hier der Mitschnitt >>>Klick<<<

Bob Johnstone hat leider im November 2008 CKRW "The Rush" verlassen, um sich auf Vancouver Island neuen Herausforderungen zu stellen.

 

 

Videos:

Stadtrundgang in Keno City

 

 

Bazi Island am Hanson Lake

Made by Berti

 

 

 

Ein paar Daten:

-         etwa 2.200 km mit dem Auto gefahren

-         Benzin kostete in Whitehorse & Haines Junction 1,40 CAD und in Dawson City        und Mayo 1,70 CAD

-         Chevy Cobalt LS 4 Zyl. 6 l/100 km

-         von Dawson City nach Haines Junction braucht man etwa 8-9h für 650km und       auf der ganzen Strecke kamen mir etwa 100 Autos entgegen!!!

-         Cabin in HJ für 55 CAD / Nacht

-         Temperatur tagsüber etwa 15-20° C und Nachts schon um die 5° C

PS: Da ich kein Schriftsteller oder Lehrer bin, möge man mir bitte eventuelle Fehler verzeihen!